Gender Pay Gap Neue Erkenntnisse zum Gender Pay Gap

Konzept der Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern. Miniatur von Mann und Frau auf Holzwürfelblock mit Münzstapel
© Ratana21/iStock

Erstmals seit der ersten Berechnung im Jahr 2006 ist der Gender Pay Gap in Deutschland deutlich gesunken: von 18 Prozent im Jahr 2023 auf 16 Prozent im Jahr 2024. Der diesjährige Equal Pay Day fand dennoch erneut am 07. März 2025 statt. 2026 wird er aufgrund des gesunkenen Gender Pay Gaps am 27. Februar stattfinden. Der Equal Pay Day markiert den Zeitraum, den Frauen über das Jahresende hinaus arbeiten müssen, um das Gehalt ihrer männlichen Kollegen aus dem Vorjahr zu erhalten. 

Doch es sind weiterhin große Anstrengungen notwendig, um den Gender Pay Gap langfristig und nachhaltig zu verringern. Dies verdeutlichen zwei aktuelle Studien: In allen Bildungsgruppen bleibt die Lohnlücke bestehen und vergrößert sich mit zunehmendem Alter. Außerdem wurden signifikante Unterschiede in der Höhe des Gender Pay Gaps zwischen Ost- und Westdeutschland sowie auf Landes- und auf Kreisebene gemessen.

Gender Pay Gap steigt mit zunehmendem Alter in allen Bildungsgruppen 

Der aktuelle Wochenbericht des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass der Gender Pay Gap in allen Bildungsgruppen mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt. Während sich die Gehälter bei Männern und Frauen bis zum Alter von 33 Jahren etwa gleich entwickeln, verlangsamt sich das Lohnwachstum der Frauen ab diesem Zeitpunkt. Die Löhne bei Männern steigen indes weiter. Dies führt zu einem größeren Gender Pay Gap mit steigendem Alter. Während der Gender Pay Gap bei Frauen im Alter von 25 bis 29 Jahren noch bei etwa 7 Prozent liegt, steigt er bei der Altersgruppe ab 50 Jahren auf etwa 23 Prozent an. Ein Grund dafür liegt häufig im Zeitpunkt der Familiengründung, so die Autor:innen der Studie. Frauen ab einem Alter von 30 Jahren arbeiten fortan deutlich häufiger in Teilzeit, während dies bei Männern nicht der Fall ist. 

Die Auswertung zeigt weiter, dass der Gender Pay Gap zwischen Frauen und Männern mit dem höchsten Bildungsabschluss am stärksten ausgeprägt ist. Das liegt unter anderem daran, dass in Berufen, die höhere Bildungsabschlüsse erfordern, der Stundenlohn überproportional mit der Arbeitszeit steigt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Frauen mit einem hohen Bildungsabschluss und einer Teilzeitbeschäftigung im Vergleich zu gleichgebildeten Männern in Vollzeitbeschäftigung überproportional geringere Stundenlöhne erhalten.  Die durchschnittliche Lohnentwicklung der Frauen in der höchsten Bildungsgruppe bleibt damit noch stärker hinter der der Männer zurückbleibt als in Gruppen mit niedriger oder mittlerer Bildung. Bildung schützt also nicht vor dem Gender Pay Gap – im Gegenteil. Stattdessen kann insbesondere eine Vollzeitbeschäftigung von Frauen dazu beitragen, den Gender Pay Gap zu verringern.  Nach Ansicht der Autorinnen sollten deswegen finanzielle Anreize wie das Ehegattensplitting und die steuerliche Behandlung von Minijobs, die Teilzeitbeschäftigung von Frauen fördern, abgebaut werden. 

Regionale Unterschiede und Berufsstruktur

Die regionalen Unterschiede im Gender Pay Gap sind erheblich. Laut einer aktuellen Analyse des Magazins des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) tragen die örtliche Berufs- und Betriebsstruktur wesentlich zu den regionalen Unterschieden bei. Der Gender Pay Gap ist in Westdeutschland viermal so hoch wie in Ostdeutschland. In Westdeutschland liegt er bei 19,7 Prozent, in Ostdeutschland beträgt die Lohnlücke etwa 5,5 Prozent. 

Zwischen den Bundesländern variieren die Werte noch stärker. Mit 3 Prozent fiel der Wert in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2023 am niedrigsten aus, während Baden-Württemberg mit einer unbereinigten Lohnlücke von 26,7 Prozent den höchsten Wert zu verzeichnen hatte.

Auf Kreisebene zeigen sich die größten Unterschiede. Laut IAB-Forum ist in Regionen mit vielen Großbetrieben, die tendenziell höhere Löhne zahlen und mehr Männer beschäftigen, auch der Gender Pay Gap entsprechend größer. Im bayrischen Dingolfing-Landau liegt der Gender Pay Gap beispielsweise bei 40,3 Prozent. Im Gegensatz dazu verdienen Frauen in der ostdeutschen Stadt Dessau-Roßlau sogar durchschnittlich 1,2 Prozent mehr als Männer.

Maßnahmen zur Reduktion des Gender Pay Gaps

Um den Gender Pay Gap weiter zu reduzieren, bedarf es gezielter Maßnahmen, die auf die spezifischen Gegebenheiten vor Ort zugeschnitten sind. Das IAB-Forum empfiehlt daher den Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten und das Ermöglichen flexibler Arbeitszeiten. Das DIW schlägt Reformen des Ehegattensplittings und der steuerlichen Behandlung von Minijobs vor, um die Attraktivität von Teilzeitarbeit zu verringern und die Erwerbsbeteiligung von Frauen in Vollzeit zu fördern.